Die Hamburger Flug-bzw. Fliegekalotten

Rassebeschreibung  und wissenswertes von Rolf Richter, Steenwijk nl

 

Die Hamburger Fliegekalotten sind kalottengezeinete Tauben in den Farben, blau, schwarz, rot, gelb, isabell, silber sowie einige Zwischenfarben. Nach dem Kriege 1945 wurden die Flugkalotten in der Regel fast ausschließlich nur noch glattköpfig gezüchtet, doch die immer wieder vorkommende Muschelhaube fand man nicht mehr passend bei dieser Flugtaube. Natürlich war die Haube vorrangig vorgesehen für die in der Zeit immer beliebter werdenden kurzschnäbligen Hamburger Show – Kalotten, die ja u.a. bekannnterweise aus der Flugkalotte x Köningsberger Reinaugen entstand. Die Hamburger Flugkalotte wurde bis + / - 1850  auch Plattentümmler genannt, beide vorgenannten Hamburger Kalottenrassen wurden ausschließlich nur kahlfüßig gezüchtet, es bestehen allerdings auch Kalottenrassen in anderen Ländern z.B. in Polen, die u.a. auch mit Fußbefiederung gezüchtet werden.

 

Im Gegensatz zur kurzschnäbligen Hamburger Kalotte ist die Hamburger Flugkalotte keine Ausstellungstaube im herkömmlichen Sinne, mit entsprechenden Standard, jedoch eine schon uralte Flugtaube mit ausgezeichneten Flugeigenschaften und verfügt ebenfalls über ein hervorragendes Orientierungsvermögen. Es ist keine Taube, die ihre Flugeigenschaften über Stunden aushält, sondern vielmehr fliegt sie gemittelt so um die 30 - bis maximal 90 Minuten, allerdings variieren die Flugzeiten von Züchter zu Züchter. Hierbei kommt es im wesentlichen auf den Abstammungsstamm sowie auch das Flugtraining und die Fütterung an. Weitere Rollen können u.a. spielen, wird der Stich ( in Hamburg = Flucht ) gejagd geflogen oder sich selbst überlassen. Das jagen von Flugtauben war im allgemeinen früher in Hamburg nicht unüblich, es wurden selbst schon junge Tauben, sowie sie in einer Flucht zusammen flogen, mit langen Stock und Flagge bzw. Lappen gejagd. Beim Landeanflug durfte es nicht wiederholt vorkommen da sie sonst auf fremden Dächern landeten. Dies war in der Regel auch das Ende des jeweiligen Taubenleben’s, diese Tauben endeten am folgenden Tag gefüllt oder nicht und gut gewürzt auf dem Mittagstisch.

 

In früheren Zeiten war es völlig normal seine eigenen Tauben auch zu essen, denn medizinisch waren sie ja unbelastet, niemand besuchte mit seinen Tauben in der Nachkriegszeit einen Tierarzt, dieses entwickelte sich erst in späteren Jahren. Das Fliegen und die Flugdauer waren eigentlich speziel abgestimmt auf die Liebhaber der damaligen Zeit z.B. sei der Zeitraum von 1900 bis 1980  hier genannt. Diese Liebhaber hatten eines, neben dem Flugtaubenhobby,  gemeinsam, viel arbeiten,wenig Geld und Urlaub von nur 14 Tagen. In diesem Lebensrytmus/ system passten preziese Flugtauben, die zum einem in sichtbarer Höhe flogen um hiervon genießen zu können und zum anderen eine nicht zu lange Flugdauer um sich der Familie und auch der verdienten Ruhe zu widmen.

 

Außerdem mußten die Tauben auch robust sein, denn die Unterbringung der Tauben hatte natürlich in der Regel keinerlei Isolation und das Wetter in Hamburg war auch nicht immer gerade das Beste, viel Wind, Sturm,Regen und noch ausgesprochen kalte Winter mit regelmäßigen Schneefall.

 

Hamburg war eine echte Taubenstadt, oftmals mit mehreren Züchtern auf den Dächern eines einzigen Häuserblocks. Als Ausflug diente nicht immer eine komfortable Jageklappe, wie ja auch in Hamburg sehr bekannt, nein es reichte oftmals die ganz gewöhnliche Dachluke ( auch ohne Anflugplanke ) oder aber man hatte eine Springereinrichtung. Die Züchter der damaligen Zeit waren sehr erfinderrisch, in einer Zeit übrigens ohne Baumärkte oder ähnliches. Futter, Wasser und auch der anfallende Mist mußten täglich meißtens mehrere Etagen nach oben sowie andersum befördert werden. Heute wäre dieses alles unvorstellbar, geschweige denn überhaupt noch machbar, denk allein an den oder die Nachbar/en.

 

Auffallend und zugleich ein absolutes Phänomen war auch das auf engsten Raum mehrere Liebhaber die gleiche Rasse flogen und diese oftmals auch noch zeitgleich aufließen, so natürlich dann auch mit den Kalotten, die sich mit mehreren Fluchten in der Luft vereinigten und nur kuze Zeit eine riesige Taubenflucht als eine Einheit bildeten, danach trennten sich die einzelnen Fluchten wieder und viele Züchter erkannten ihre eigenen Kalotten allein weil es eine Sichthilfe gab und das waren die “Holländer” Tauben, auch u.a. Weißschwänze oder Patriziër genannt. Diese Tauben waren einfarbig in verschiedenen Farben und somit hatte jeder Züchter die Möglichkeit durch den Zusatz von nur einigen Hölländern, meißtens nicht mehr als 4 Tauben, in der großen Flucht seine eigene Flucht von den der anderen Züchter zu unterscheiden.

 

Es bleibt aber doch die Frage und diese wurde mir auch bis zum heutigen Tage noch von niemanden eindeutig erklärt, woher wissen die Tauben zu welcher Gruppe sie gehören und sich auch entsprechend verhalten. Diesbezüglich möchte ich auch noch darauf hinweisen, es flogen nicht nur 12 Tauben pro Flucht, sondern es waren in der Regel um die 20 bis 40 und in Einzelfällen auch mehr pro Flucht, wobei man früher von einer Mindestanzahl Tauben ausging – eine Flucht = waren minimum 12 Tauben. In den heutigen Wettflügen mit Kalotten ( die ja erfreulicherweise noch stattfinden ) spricht man grundsätzlich von 12 Kalotten per Wettflug als eine ideale Anzahl der Tauben mit den besten Wettflugergebnissen. Hier würde ich ansetzen, nach immerhin, mit einigen kurzen Unterbrechungen, von u.a. so rund 65 Jahren Flugkalottenenerfahrung, dieses anzuzweifeln. Auch sehr große Fluchten erzielten damals und das unter weitaus primitiveren Umständen sowie Futterangeboten hervorragende Flugergebnisse.

 

Abstammung der Hamburger Flugkalotten:

Die Abstammungsgeschichte der Hamburger Flugkalotten ist im allgemeinen nicht so einfach zu beschreiben. Auch, wenn es für einige Autoren von Fachbüchern oftmals als eine doch eindeutige Sache abgehandelt und beschrieben wird. Um es hier kurz zu umschreiben wird letztendlich von ausgegangen, dass die Hamburger Flugkalotten aus dem damaligen Kaiserreich Persien abstammen. Dieses ist schlichtweg, wie vieles andere auch Flugtauben betreffend, bisher von niemanden eindeutig nachgewiesen, vielmehr sind es immer wieder Vermutungen. Es wird dann u.a. geschrieben, es ist davon auszugehen bzw. die Vermutung liegt nahe u.s.w., mit anderen Worten, alle diese Vermutungen sind im Falle Hamburger Flugkalotten ohne jegliches wissenschaftliches Fundament.

 

Die mir sehr am Herz liegenden früheren Autoren über Flugtaubenrassen haben leider auch die Eigenschaft gehabt einiges vom anderen mit einigen Umschreibungen zu übernehmen, in der Annahme das der andere es wohl sicher wissen müsste. Auch so stets wieder zu lesen mit dem Namen “Kalotte”, hier und dort ist zu lesen das dieser Name aus dem Abstammungsland der Kalotte stammt und das ist dann Frankreich so haben wir wieder ein neues Abstammungsland erfunden. Richtig ist das der Name “Calotte “ aus Frankreich stammt und mehr nicht, denn die Kalotte wurde bis ca. 1850 in Hamburg noch Plattentümmler genannt.                                                                  

Calotte ist der Name der Kopfbedeckung der Priester in Frankreich gewesen. Der Name Calotte in Verbindung mit den kalottengezeichneten Tauben wurde schon in Werken von Aldrovandi  (1603), Willughby (1676) und Vollenhoven (1686) erwähnt

(Quelle: Artikel von E.u.I. Jungnickel von 2012).  

                             

kalottenfarbige Taubenrassen kommen in vielen weiteren Ländern vor und sind selbstverständlich als eigenständige Rassen zu betrachten sowie mit eigenen Abstammungshintergrund. Einige Länder seien hier eben auszugsweise erwähnt mit kalottenfarbigen Tauben: Niederlande, Dänemark, Polen, Ukraine, Spanien, Österreich und Amerika.

 

Eine vergleichbare Flugkalottenrasse ist u.a. noch, unter Vorbehalt, die “Nederlandse Helmduif”, hier sei jedoch darauf hingewiesen das diese nur noch für den alten Flugtyp gilt, nicht mehr für die in den Niederlanden weit verbreitete Ausstellungstaube und Rassetaube  (sierduif) leider unterm gleichen Namen, diese Tauben haben außer der Farbkennzeichnung absolut nichts mehr von der damaligen Flugrasse, die jedoch noch von einigen wenigen Liebhabern gefördert und erhalten werden. Dieser Urtyp ist auch im flugtypischen mit der Hamburger Fliegekalotte zu vergleichen, sehr schnelles kräftezehrendes Schwenken und Kippen und das im ständigen Wechsel ab – und gleich wieder aufsteigend. Allerdings ist der Körperbau der niederländischen Helmtaube anders, im Vergleich zur Hamburger Flugkalotte und hat sicher auseinanderlaufende Vorfahren.

 

Eine weitere vergleichbare Rasse wäre auch der Kölner Kalotten-Tümmler (alter Flugtyp), dieser Rassetyp ist jedoch eher vom Körperbau zu vergleichen mit dem niederländischen Helm- Flugtyp.

 

Update: 23.07.17

 

Hallo,

du hast eine Nachricht über deine Jimdo-Seite https://www.frediliebgott.de/hamburger-fliegekalotte/ erhalten:

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Name: Willi Tillmann

E-Mail: willi3939@gmx.de

Nachricht: Hallo
Möchte mich mit meinen 78 Jahren noch mal mit Tauben beschäftigen. Bei der Vielzahl der Rassen habe ich mich für die Hamburger Kalotten entschieden.
Deshalb finde  ich diese Webseite besonders gelungen und aufschlussreich
für Liebhaber dieser Rasse. Ganz toll!!
MfG Willi Tillmann

 

 

 

Antwort Rolf Richter:

 

Hallo Willi Tillmann,

 

 

 

vielen Dank für dein Interesse von Fredis Website sowie vor allem der

 

"Hamburger Fliege- bzw. Flugkalotten" , ich selber bevorzuge hier in 

 

Holland den Namen Fliegekalotte weil die Niederländer das " u " immer

 

als " ü " aussprechen und das führt zu Irritationen.

 

Eine Anmerkung sei noch eben erwähnt, du schreibst über 

 

Hamburger Kalotten und meinst jedoch die Hamburger Fliegekalotten!!!

 

Die Hamburger Kalotte gibt es auch noch und besitzt auch den erforderlichen

 

Rassestandard, ist also eine reine Ausstellungstaube wo als Zuchtbasis die schon sehr alte

 

Hamburger Fliegekalotte Pate stand. Also bitte nicht verwechseln, die Hamburger Kalotte

 

ist keine Flugtaube mehr im Gegensatz zur Flugkalotte.

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

 

Rolf Richter

 

 

 

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Bild Wale Stettler Binningen CH
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Bild Wale Stettler
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nachfolgenden Bilder sind von Rolf Richter 

Bild: Jens Nielsen Fleckeby
Bild: Jens Nielsen Fleckeby
Bild Wale Stettler Binningen CH
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Bild: Jens Nielsen Fleckeby
Bild: Jens Nielsen Fleckeby
Bild: Wale Stettler
Bild: Wale Stettler

Folgende Daten wurden übermittelt:
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Name: Wale

E-Mail: galtipp@breitband.ch

Nachricht: Der Bericht v. Rolf Richter über die HH Kalotten ist sehr Interessant und Aufschlussreich!! Und die Fotos sehr schön.                       

Fredi ich wünsche Dir viel Spaß mit den Kalotten.

Viele Grüsse Wale.


 

Hallo,

du hast eine Nachricht über deine Jimdo-Seite http://www.frediliebgott.de/hamburger-fliegekalotte/ erhalten:

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Name: O.Kühne

E-Mail: falo-shadow@arcor.de

Nachricht: Der Artikel ist toll und hat mir gut gefallen.MfG


 

Hallo,

du hast eine Nachricht über deine Jimdo-Seite http://www.frediliebgott.de/hamburger-fliegekalotte/ erhalten:

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Name: Rolf Richter

E-Mail: rolfrichter@home.nl

Nachricht: Hallo Taubenfreund O. Kühne,
vielen Dank für deine Mitteilung das dir der Artikel gut gefallen hat. Es ist jedoch nicht immer so ganz einfach, einen Sachverhalt über eine Taubenrasse zu beschreiben, die jedem gefallen sollte. Leider habe ich auch andere Erfahrungen machen müssen. Allerdings werde ich auch weiterhin so schreiben, informativ wie nur irgend möglich, jedoch nicht ohne kritische Auffälligkeiten beim Namen zu nennen, wobei mir einige selbstkritische Anmerkungen auch nicht schwer fallen. Weiterhin wünsche ich noch viel Spaß beim studieren von Fredis doch sehr gelungenen "HP ".

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