Über Tauben gesprochen

Von Rolf Richter

Fotos: Hans van de Camp

Es ist einer der schönen April Tage im Jahr 2010, wir sitzen in Steenwijk, einer Kleinstadt in den Niederlanden, in einer belebten Einkaufsstraße bei der Hema. Ein Warenhaus mit angegliedertem Imbiss/ Café, um hier gemütlich Kaffee zu trinken. Wir, das sind mein Schwager Hans und ich der Schreiber dieser tatsächlich geschehenen Geschichte, eigentlich sind wir ganz einfach von unseren Frauen, wie ein Auto auf einem Parkplatz nur vorläufig abgestellt/ ruhiggestellt worden. Ich höre noch die Worte meiner Frau, trinkt ihr erst einmal gemütlich euren Kaffee dann können wir, meine Frau Christa und Schwägerin Margriet, in aller Ruhe einkaufen.

 

Hans erzählt mir inzwischen von seinen Hobbys: Computer und Fotografie, nicht zu vergessen die Fotos die er wieder weltweit auf diversen Wettbewerben laufen hatte, natürlich um mit seinen Fotos einen Platz in der oberen Liga zu gewinnen.

Hans und Margriet standen nur 10 Km entfernt von uns auf einem Campingplatz, also ganz in unserer Nähe, was auch zu einigen gemeinsamen Abenteuern verleitete. Ich erzählte, wie sollte es auch anders, über eines meiner Hobby’s und das ist und bleibt immer Tauben, neben einigen anderen Dingen. Beim Kaffeetrinken vergeht die Zeit unbemerkt schnell, während man sich über dieses und jenes unterhält was unsere Frauen doch nicht interessiert hätte.

 

Mit Ausnahme von den speziellen Taubenfreunden spreche ich eigentlich nicht so viel mit anderen Menschen über Tauben, allerdings sind Hans und mein Schwiegervater, Ex-Taubenzüchter holländischer Rassen, der inzwischen 92 Jahre alt ist, die großen Ausnahmen. Hans, durch die vielen gemeinsamen Unternehmungen, ist mit den Jahren nicht allein mein Schwager, sondern auch eine Art Freund geworden mit dem man eben auch alles besprechen kann was ein auf dem Herzen liegt.

 

Plötzlich schoss es mir in den Kopf, ich musste Hans etwas erzählen was fast niemand weiß und was unsere Frauen betrifft war ich sicher, dass sie so schnell nicht wieder erscheinen sollten, einmal frei gelassen in einer gemütlichen Einkaufsstraße vergessen sie selbst ihre Männer. Hans fühlte schon etwas, er sah mich schon einige Zeit so merkwürdig fragend von der Seite an, als wollte er sagen: „Nun sag es schon“ und letztendlich tat ich dieses dann auch.

Hans, ich muss dir etwas ganz im Vertrauen beichten, ich musste echt ein wenig vorsichtig sein, denn Hans sein Herzinfarkt war noch nicht vollständig verarbeitet, er befand sich noch stets in der hierfür üblichen Nach – und Kontrollbehandlung. So als erwartet, sagte Hans unmittelbar, mit einer sehr bedenklichen aparten Mimik, „Rolf nun erzähl schon“!! Nach einem Augenblick der absoluten Stille war ich dann auch bereit mein Anliegen zu beichten.


„Hans, ich muss dir etwas erzählen, nur es muss wirklich unter uns bleiben“, Hans bestätigte durch ein zaghaftes Nicken. „Hans ich habe eine Freundin, um präzise zu sein schon seit 8 Jahren und noch genauer sie wohnt direkt gegenüber der Hema, wo wir nun sitzen, über einer Drogerie. Hans, Du kannst von hieraus so auf den Balkon der Wohnung sehen und dieses muss ich nun auch noch los werden, sie lief eben noch an uns vorbei, nur ich war ja nicht allein.“

Endlich hatte ich nun fast alles gesagt, nur Hans sein Gesicht veränderte in einen Zustand von größter Besorgnis, es war wohl doch vielleicht etwas zu viel für Hans in seinem augenblicklichen Zustand dieses zu verkraften, nur leider war das auch noch nicht einmal alles.


In diesen Moment hatte ich die Wahl zwischen den Notarzt anrufen oder noch zu warten, bis dann auch alles auf die Tafel kam, dann würde der Einsatz des Arztes nur einmal erforderlich sein. Für mich eine ausgesprochen schwierige Notfallentscheidung, der letztere Gedanke war dann für mich die Entscheidung.

„Hans, noch eben etwas, ich habe noch eine Freundin in Emmeloord, ebenfalls eine Kleinstadt in 32 Km Abstand von Steenwijk entfernt.“ Eigentlich wusste ich nicht echt, ob Hans dieses alles noch registrierte als ich ihm erzählte, dass ich diese Freundin auch schon seit gut 8 Jahren kannte und auch sie wohnte dort in einer Einkaufspassage, zufällig ebenfalls gegenüber der dortigen Hema. Zufall oder nicht, es machte in diesen Augenblick nichts mehr aus, ich hatte es endlich einmal an jemanden erzählt dem ich auch voll vertrauen konnte und das ist auch ein Gefühl von innerer Befreiung, zumindest für mich.


Es folgte wiederum eine Zeit der unausweichlichen Stille und weil Hans nach seinem Infarkt aus gesundheitlicher Notwendigkeit nicht mehr rauchte, konnte man doch deutlich den inneren Streit mit sich selbst erkennen, nun eine Zigarette rauchen oder die Selbstbeherrschung überwinden.

Im Gesicht von Hans wurde langsam eine positive Zustandsveränderung erkennbar, diese Tatsache ersparte mir nun letztendlich auch den Anruf bei der Notarztzentrale, obwohl meine Zweifel über seinen Gesundheitszustand nicht vollkommen weichen wollten.

Nach einer kleinen Pause erfolgten nun die ersten zögerlichen vorsichtigen Fragen von Hans: „Wie alt sind sie eigentlich?“ Diese Antwort musste ich Hans leider schuldig bleiben, ich wusste es einfach nicht genau, dieses war mir schon echt ein klein wenig peinlich und ich wäre auch nie auf die Idee gekommen dieses zu fragen, denn ich war mir sicher die Antwort wäre ausgeblieben. Hans bohrte weiter: “Ist sie verheiratet oder geschieden,   blond schwarz usw. und letztendlich, weiß Christa etwas hiervon?“

 

Hans eröffnete mir, zu meiner Erleichterung, doch sehr froh zu sein dass ich ihm gegenüber so ehrlich war und vorerst nur ihm alles anvertraute. Ich fühlte unmittelbar, es geht in die gute Richtung und somit begann ich die restlichen Fragen von Hans zu beantworten, die allerdings wieder, um es vorsichtig auszudrücken, hochgradig gesundheitsbeeinträchtigende Auswirkungen für Hans bedeuten könnten.

 

Christa weiß es schon all die 8 Jahre, beide Freundinnen leben in Partnerschaft und die Farben der Haare sind in Emmeloord bunt und hier in Steenwijk gehämmert, dieses letztere sagte Hans nun überhaupt nichts, allerdings konnte ich feststellen wie Hans, immerhin über 1,90 m groß, so ganz allmählich in sich zusammensackte und so auf ca. 1,20 m geschrumpft zu sein schien, sein Herzschlag lag ebenfalls auf geschätzt fast Null. Nun wurde es wirklich Zeit hier ein Ende an zu machen, auch schon deshalb weil die Frauen unmittelbar wieder zu erwarten waren und bei dem aufklärenden Gespräch nicht hätten teilnehmen können.

 

„Sorry Hans, ich hatte die ganze Zeit nicht von echten Frauen gesprochen, sondern vielmehr, wie du eigentlich wissen könntest, von Tauben.“ Es dauerte eben, ich hatte inzwischen schnell wieder eine neue Runde Kaffee für uns geholt, bevor wir wieder in eine normale Kommunikation zurückfanden. Endlich war bei Hans auch so etwas wie eine neue Lebensphase zu konstatieren, denn völlig unerwartet kam er plötzlich mit der Frage was denn an diesen beiden Tauben, die auch noch wild in der Stadt leben, so interessant sei und ich dochbei mir zu Hause so herrlich anzusehende und nicht mit einer Stadttaube zu vergleichende Tauben besitze, für Hans ergab diese Leidenschaft absolut keinen Sinn.

Ich holte einmal tief Luft und begann zumindest versuchsweise es Hans zu verdeutlichen. Beide Tauben Hans, sind sicher nun älter als 8 Jahre, seit 8 Jahren beschäftige ich mich bewusst neben anderen, in der näheren sowie weiteren Umgebung von Steenwik, auch intensiv mit diesen beiden Stadttauben. Normal gesprochen hätten diese beiden Tauben, die ich nur stellvertretend für auch viele andere Stadttauben anspreche, schon sehr lange nicht mehr am Leben sein dürfen, jedenfalls wenn man sich veterinärwissentschaftlichen Erkenntnissen anschließen würde. Stadttauben können durchaus erwiesener weise relativ alt werden, auch ohne Spezialfutter oder medizinischer Begleitmaßnahmen. Eine ungesunde Taube wird sicher nicht alt und hat in der freien Natur, im Gegensatz zu Tauben in Züchterhand, keine Überlebungsmöglichkeiten es denn einzelne dieser Tauben entwickeln eine stärkere Resistenz gegen bestimmte Krankheitserreger, anders ist die Langlebigkeit unter einzelnen Stadttauben eigentlich nicht zu erklären. Die gehämmerte Täubin ist mir hier in Steenwijk aufgefallen weil sie auf einem kleinen Anbau auf dem Balkon mit einem ebenfalls gehämmerten Täuber von äußerlich bester Gesundheit jahrelang Junge groß brachten.


Vor zwei Jahren war der Täuber verschwunden, also 6 Jahre waren sie unter meinen Augen ein Paar, drei Monate später führte die Taube mir ihren neuen Partner vor, ein herrlicher blauer Vogel ( beringte Brieftaube ), übrigens waren alle von mir beobachteten Stadttauben immer schon ausgewachsen bzw. Geschlechtsreif, d.h. es könnte sein das diese Tauben noch älter sein könnten. Der Balkon ist inzwischen durch ein Netz geschützt und somit als Nistplatz nicht mehr zu nutzen. Das Flug – und Laufgebiet ist noch stets das Gebiet rund um die Hema. Beinah identisch verlief es mit der Täubin in Emmeloord, übrigens handelt es sich hier um eine verwilderte Takla Täubin. Diese Taube hat ihre Partner mehrmals in den vielen Jahren meiner Beobachtung gewechselt. Am 6. April 2013, der Tag unserer letzten “ VDS “ Mitgliederversammlung, wurde mir von einem inzwischen angesteckten VDS Mitglied, der in Emmeloord wohnt, das diese Takla Täubin noch stets lebt, allerdings nun etwas schlecht zu Fuß ist.

 

Das bedeutet, diese Taube ist zu 100% sicher älter als 10 Jahre, genauer = mindestens 10 Jahre ihres Lebens hat sie als Stadttaube überlebt. Hans reagierte plötzlich wieder sehr spontan, fast wieder etwas beängstigend für mich, hoffe nicht das die Schocks vielleicht nicht anderweitige ursächliche Schäden bei Hans hinterlassen hatten, denn ehrlich gesagt bin ich wohl doch etwas zu weit gegangen mit Hans, obwohl mir ja eigentlich seine gesundheitliche Situation bekannt war. „Rolf „, sagte Hans sehr nachdrücklich fragend, „ich will die Taube in Emmeloord auch einmal sehen und hast Du Recht, ich mache auch ein paar schöne Fotos von dieser Taube.“ Ihr müsst wissen, mein Schwager hatte sich gerade eine neue Kamera angeschafft, es bot sich also förmlich an einige Fotos zu schießen. Auch die durch die Menschen tippelnde Steenwijker Täubin wurde schon fototechnisch festgehalten. Margriet und meine Frau Christa erschienen nun auch plötzlich wieder, es folgte eine kurze Lagebesprechung, mit dem Ergebnis das wir unsere lieben Frauen zu Hause ablieferten und gleich im Anschluss Richtung Emmeloord fuhren. Hier angekommen, ging es sofort in die Einkaufspassage Kurs Hema und leider keine Takla Täubin in Sicht, 32 Km für nichts, es waren ja auch wieder 32 Km zurück, ich wollte es einfach nicht glauben, meine mühevollen Erklärungen-alles umsonst? Also erst einmal Kaffee holen und dann eben warten wie ein Jäger auf seine Beute. Ich kam mit unseren zwei Tassen Kaffee nach draußen auf die Terrasse, die direkt in der Fußgängerzone lag und siehe da, direkt vor mir meine Takla Freundin, oben auf der Dachrinne sitzend wie extra bestellt.

Die Kamera von Hans war schon auf scharf eingestellt und somit begann Hans mit sein Werk, aber die Taube zeigte kein besonderes Interesse für diese gut gemeinten Aufnahmen und flog weg. Aus den Vergangenheitserfahrungen mit dieser Taube wusste ich wo ihr Flugziel sein könnte: 50 Meter weiter befand sich ein Imbiss, wo ich sie stets antraf bei meinen Beobachtungen. Die Futterration war hier besonders reichlich vorhanden, lecker Pommes mit Ketchup oder Mayo oder u.U. auch andere Rohkostbeilagen, das Lebensalter dieser Taube hat zumindest bis zum heutigen Tage gezeigt, dass es durchaus möglich ist, als Taube alt zu werden, auch unter diesen Umständen. Für Nahrungsabwechslung sorgt übrigens auch ein in der Nähe liegender Bäcker um die Ecke, selbst für die hier ansässigen Stadttauben ist alles zu Fuß erreichbar.


Da ich selbst wegen meiner Invalidität nicht so schnell laufen oder auch gehen konnte, musste Hans den 50 Meter Sprint nun allein laufen, sein Ziel Takla kannte er nun ja schon und siehe da: Hans kam mit einigen sehr schönen Fotos von dieser verwilderten Takla Taube wieder zurück. Meine Taubenleidenschaft musste Hans nun auch schon 26 Jahre mit mir teilen, solange kennen wir uns nun, und doch gingen seine Fragen an diesen unvergesslichen Tag weiter, er meinte auch, es sind doch genug Menschen, die diese Tauben als ganz gewöhnliche Ratten der Lüfte bezeichnen !!


„Hans, von diesen Tauben könnten auch gestandene Taubenzüchter noch sehr viel lernen, obwohl ich mancherorts die Problematik der Stadttaubendichte auch sehe und auch nicht gut reden möchte, so sehe ich aber auch andere Dinge, die andere Desinteressierte auch darum leider nicht sehen können. Hans, es werden sicherlich für dich viele Fragen offen bleiben, die auch ich dir schuldig bleiben muss, aber das Thema Stadttauben stößt auch wissenschaftlich nicht auf so große Resonanz, weder aus ökonomischer, gesundheitlicher oder anderen wissenschaftlichen relevanten Fachinteressen. Es gibt lediglich einzelne Studien überwiegend durch Gemeinden oder einzelner Städte im Auftrag gegeben.

Hans, Du kannst mir glauben, es ist ein ausgesprochen komplexes Thema, so werden Versuche diese Taubenbestände zu reduzieren oder die Vermehrung zu kontrollieren immer nur zu Teilerfolgen führen, zumindest solange man sich z.B. nicht auch mit dem Gruppenverhalten von Stadttauben auch innerhalb eines Stadtgebietes beschäftigt. Es gäbe hierüber noch einiges zu erzählen und somit sind geplante Taubenhäuser für Stadttauben nur an einer Stelle errichtet, ohne die Bestandsdichte der Tauben und der vorhandenen Bausubstanz nicht ausreichend in die Planung mit einbezogen zu haben (Altbauten, Historische Bebauung, viele Neubauten usw.), nicht sehr vielversprechend.


Stadttauben stehen im Verhalten sehr dicht bei den ursprünglichen Felsentauben, oder besser gesagt, sie entwickeln sich notwendigerweise mit einigen Verhaltensausnahmen wieder zurück in den Ursprungszyklus. Das tägliche Suchen nach Nahrung, Wasser, Mineralien usw. sowie die Ruhezeiten bestätigen zumindest im Ansatz den Vergleich mit den Felsentauben, jedoch heißt dieses auch gleichzeitig dass Stadttauben nicht automatisch direkte Abkömmlinge der Felsentaube sind.


Auffallende Verhaltensunterschiede bestehen z.B. bei den Stadttauben bei ausreichendem Nahrungsangebot innerhalb der jeweiligen Gruppe im Stadtgebiet selbst, beginnend bei den Flugeigenschaften gegenüber dem der Felsentauben. Die Stadttauben drehen je nach Bestandsgröße in einer Gruppe ( Flucht) bzw. mehreren Gruppen jeweils zeitlich relativ kurze Runden, danach wird wieder eine kurze Ruhegelegenheit, je nach örtlichen Gegebenheiten, eingenommen, wobei der Flugradius die ca. 500 Meter selten überschritten wird, dieses kann je nach Stadtgröße und

Bausubstanz etwas abweichen, u.a. bei in der unmittelbaren Nähe liegenden Futterquellen wie z.B. Hafenumschlag mit Getreide, Futtermittelfabriken u.ä.


Ein Vergleich mit einen anderen Stadtbewohner, dem Spatz o. Sperling, er lebt einmal ausgewachsen unter normalen Umständen in einem Stadtradius von ca. 400 Metern. Felsentauben sind dagegen in der Lage, je nach Lebensbiotop, zur Futterbesorgung sehr große Abstände zu fliegen, auch über 100 Km. Diese Eigenschaften hatten auch die früher in großer Anzahl in Taubentürmen gehaltenen Feldflüchtertauben. Das Trinkverhalten scheint identisch zu sein, im Vergleich Stadt – u. Felsentaube, d.h. erst Futteraufnahme und danach Wasser suchen, hierzwischen können jedoch erhebliche Zeitdifferenzen liegen, je nach Wasserangebot in der näherer oder weiterer Umgebung. Die meisten beobachteten in kleineren Gruppen ziehenden Stadttauben fliegen nicht zu den Feldern, sondern wissen eine Trinkwassermöglichkeit und versorgen sich hiermit entsprechend, um danach sofort wieder zurückzukehren zum angestammten Stadtplatz.

Alle diese Symptome sind Anzeichen einer allmählichen regenerativen Entwicklung Richtung Felsentaube, allerdings immer wieder beeinträchtigt durch die ständige Blutsauffrischungen von zu ca. 90% verflogener Brieftauben sowie ca. 10% andere Flug- bzw. Rassetauben.

 

Bei uns Taubenzüchtern steht natürlich das Trinkwasser, zumindest in der Zuchtperiode in der Regel nicht weit vom Futterangebot, mit anderen Worten, die Tauben gehen nach der Fütterung unmittelbar zum Trinkwasser, dieses Phänomen steht im krassen Unterschied zu wilden und verwilderten Tauben, besonders in den Trockenperioden.

 

Um diese Feinheiten zu sehen bzw. um in weitere erforderliche Analysen zu gehen, muss man die Stadttauben mit anderen Augen und Interesse betrachten. Eine echte Rasse sind Stadttauben natürlich nicht, sondern eher könnte man sie als verwilderte domestizierte Taubenmischlinge bezeichnen, die sich erstaunlich schnell, oft innerhalb weniger Tage, im Verhalten den verwilderten Artgenossen anpassen, so laufen Stadttauben, in Kilometer gerechnet, täglich mehr als sie an Flugleistung erbringen.

 

Übrigens hat Hans seinen Kaffee überhaupt nicht ausgetrunken, er war so interessiert am Zuhören dieser für ihn völlig neuen Taubenwelt, so dass er den Kaffee völlig vergessen hatte. Mit meiner Leidenschaft “ Tauben “, hier nun mit Schwerpunkt Stadttauben, erzähle ich uneingeschränkt weiter, in der Hoffnung Hans nicht doch in der Zuhörerposition zu überfordern. Es kommt u.a. auch vor, das hier und da sich einmal eine echte Felsentaube oder auch ein Feldflüchter verirrt hat und unter den Stadttauben zu finden ist. Hans reagierte sofort, ein Zeichen das er noch zuhörte, wie ist es möglich fragte Hans sehr ungläubig diese Tauben zwischen die vielen Stadttauben zu erkennen, sie sehen doch alle gleich aus. Wenn man es weiß, die Rassebeschreibungen kennt und einige Taubenkenntnis die über eine oder zwei Rassen hinausgehen, dann solltest du auch in der Lage sein diese Tauben auch unter vielen zu unterscheiden. Langsam merkte ich jedoch es wurde Zeit mit meinem Straßenseminar über die Stadttauben für Hans zu stoppen, denn es hatte doch den Anschein, dass letztendlich für Hans eine Stadttaube eine ganz gewöhnliche Taube bleibt. Abschließend sei noch zu erwähnen, wie ist es möglich das einige Stadttauben, nachweislich auch in unterschiedlichen Städten, doch ein erstaunlich hohes Alter erreichen?? Sie essen alles, was eine Stadt bieten kann, so z.B. Pommes, Wurst, Brotreste usw., also fast alles was irgendwie essbar ist und sie trinken und picken in der Dachrinne ( ein Alptraum für jeden Taubenzüchter ) oder auch andere Trinkquellen so wie Kanäle, Flüsse, Teiche usw., alles genannte ist ja nicht gerade als echt sauber oder hygienisch zu bezeichnen.

 

Die beiden beschriebenen Tauben sind und haben im Prinzip allein Symbolcharakter für mich, mir sind weitere Stadttauben bekannt von mindestens 5 Jahre alt in verschiedenen Städten rund um Steenwijk. Frage doch einmal einen Taubenzüchter, von welcher gezüchteten Rasse dann auch, „wie alt sind deine Ältesten, für den Sport noch aktiven Tauben? Ich meine also nicht die einzelne Taube, die aus Dankbarkeit für die vielen errungenen Preise alt werden darf. Hier sprechen wir dann von gut versorgten Tauben, größtenteils geimpft und medizinisch begleitet, man kommt sicher nicht höher als im Durchschnitt auf ein Lebensalter bei Zuchttauben von 4 Jahren ( einzelne Ausnahmen vorbehalten ), ältere Tauben werden in der Regel entweder geschlachtet bzw. verkauft. Nun ist es endlich abgelaufen, wir steigen ins Auto und fahren zurück nach Steenwijk, allerdings hätte ich auch gern noch weiter ausgeholt, z.B. rund 60 Jahre zurück in Hamburg. Hans jedenfalls hat diesen Tag nie vergessen, er wird noch stets thematisiert und mit aktuellen Gegebenheiten von mir angefüllt.

Rolf Richter NL-Steenwijk                                                                                                                                               

Fotos: Hans van de Camp

 

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.