Eine Taubenreise von Baden Württemberg nach und durch Thüringen

 

Reiseziel: Hausbreitenbach/ Berka Werra in Thüringen.

Uwe Muth, Andreas Heinzmann, Roland Schäfer und meine Wenigkeit Fredi Liebgott unternahmen eine unvergessliche Reise. Am Pfingstsonntag 2010 machten sich vier wissensdurstige Taubenverrückte neugierig auf, um das neue Bundesland Thüringen in Sachen Tauben zu erkunden;

 

Thüringen  liegt in Mitteldeutschland und ist einer der insgesamt drei Freistaaten der Bundesrepublik Deutschland. Wegen des hohen Waldanteiles an seiner Gesamtfläche wird Thüringen auch als das "Grüne Herz Deutschlands" bezeichnet. Thüringen bietet zahlreiche Möglichkeiten für Erholungssuchende.Thüringen grenzt an die Länder Hessen (Länge der Grenze 270 km), Bayern (381 km), Sachsen (265 km), Sachsen-Anhalt (296 km) und Niedersachsen (112 km)!

 

Wer sich für Städte- und Kulturtourismus interessiert, kommt mit sehr vielen Sehenswürdigkeiten ebenso auf seine Kosten bei einem Urlaub in Thüringen wie derjenige, der die Natur liebt.

Recht früh machten wir uns auf die Autobahn Richtung Heilbronn vorbei an Würzburg dann Schweinfurt, Suhl, Ilmenau Richtung Eisenach. Das erste Fahrtziel (280 KM) an diesem herrlichen, sonnigen Tag war Berka Werra im schönen Wartburgkreis.

 

 

Die 4500 Einwohner zählende Stadt,  liegt nahe  an der Landesgrenze zu Hessen. Neugierig auf den/die Züchter und seine Tauben waren wir voller Spannung angekommen? Mehrere E-Mails und Anrufe gingen diesem Besuch Voraus. Und doch fragt man sich, was erwartet uns da? Über seinen Internetauftritt wusste man ein klein bisschen über die Stallungen, Schläge, Tauben, Vorlieben, Interessen und seine Umgebung.

 

Das alles sagt aber nichts über den  Menschen aus, der dahinter steht. Sein Name Gerhard Krapf und dessen Sohn Sebastian der die Leidenschaft seines Vater`s teilt. Seine Home Page: http://beimgeer.npage.de/

 

 

Nach einer herzlichen Begrüßung, gab es ein kühles Getränk in einer lauschigen fast zugewachsenen Gartenlaube. Erste Annäherung fand statt. Recht schnell merkte man dass man keinem normalen Menschen gegenüber sitzt. Gerhard ein eher zurückhaltender Mensch der jedes Wort vorher überlegt, was er sagt. Ja wenn da nur die Tauben nicht wären. Denn Tauben kennen keine Grenzen. Kommt man einmal ins Gespräch über Tauben, ist das Eis aber recht schnell gebrochen. Durch die gegenseitige Vorstellung mit samt Züchterischer Laufbahn eines jeden, waren wir doch recht heiß auf das was uns jetzt erwartet. Recht schnell merkten wir, dass der Besuch ein Erlebnis werden würde.

 

Von weitem sahen wir einen Taubenschlag, aber der Rundgang wie ich ihn mal beschreiben will, nahm an einem anderen Ende seinen Anfang. Zunächst will ich noch erwähnen, dass Gerhards  Grundstück nicht wie bei uns durchschnittsdeutschen auf einmal einzusehen ist! Naturverbunden seine Grundeinstellung,  gingen wir auf die Reise wie durch ein Labyrinth! Geschwungen wie ein Bachlauf ging es über Granit-gepflasterte Wege. Umwachsen von allem was mindestens einmal im Jahr seine Blütenpracht, Besucher und Familienmitglieder ins Schwärmen bringt. Verschiedene Duftwolken und unzählige Farben begegneten uns; Van Gogh hätte, wenn er heute noch leben würde, seine helle Freude daran. Der erste Stopp, fast verrottete Baumstümpfe.

 

Als normaler Mensch denkt man dabei an faulendes Brennholz!! Aber bei näherem Betrachten, entdeckten wir aber verschiedene kleine Pilze (Esspilze) an den Stämmchen. Gerhard kam recht schnell ins Schwärmen, denn es war sein Werk, das er selbst  geschaffen hat. In Petrischalen veredelte Pilzkulturen. Diese Sporen die er selbst herangezüchtet hat, werden in diese leicht verrottete Stümpfe eingeimpft, so der Fachausdruck.. Zwischen A wie Austernseitling und Z wie Ziegenlippe, wird bei Gerhard wahrscheinlich alles an Pilzen ausprobiert werden? Denn es gibt ja keine Grenzen mehr, der Beweis dafür, dass er verschiedene Pilzsporen schon in alle Welt verschickt hat. Nicht nur dies, sondern in einigen Pilzforen ist er ein gern gelesener Gast und Berater.

 

Der nächste Stopp, seine Entengehege. Rouen Clair und Warzen enten waren zu sehen. 2010 Nachwuchs konnte man auch schon rumwatscheln sehen. Ein von außen gesehen als Hexenhäuschen tituliert, kamen wir beim betreten jedoch ins Schwärmen. Ein Backofen nach alter Väter Sitte, den Gerhard 1995 selbst gemauert hat, konnten wir bewundern. Wo gibt’s den heute noch so was fast wie ein nostalgisches Relikt. Regelmäßig genutzt zum Brot und Kuchenbacken, nicht nur? Sondern viele Spanferkel oder andere leckere Braten kamen schon in diesen mit Sandsteinen ausgemauerten und in dem noch zwei kleinere Backöfen integriert sind, zum Verzehr auf den Tisch.

 

Weiter ging der Rundgang, unsere Augen wurden immer größer.  Immer umgeben von Vogelgezwitscher Duft und Farben. Ehemalige Vogelvolieren für Waldvögel und Weichfresser wurden umfunktioniert zu einem Bienenhotel. Wer kennt das nicht, im Frühjahr, wenn es draußen wärmer wird umherfliegende/suchende Bienen, Hornissen, Wespen und Hummeln um nur einige zu nennen aus der Familie der Hymenopteren! Gespickt mit zurechtgeschnittenem Schilfrohr, alten Holzbalken, alte Ziegel und Lehm hat Gerhard alles verarbeitet was seinen kleinen Freunden als Brutstätte dient. Als Dank, leisten sie bei der  Bestäubung der Blüten, seiner schon teils vielen, vielen Jahre alten Bäume sehr gute  Arbeit.

 

Bei dem Rundgang vielen uns immer wieder Stare auf, die mit vollem Schnabel (Würmer/ Ungeziefer) ihre Bruthöhlen aufsuchten. Unzählbare Starenkasten(aber nicht die Blitzer, wie wir sie kennen) sondern Brutstätten für die Vögel: Stare (Sturnus vulgaris)  hat Gerhard auf seinem sehr großen Grundstück verteilt aufgebaut. An nach Knoblauch riechendem Bärlauch vorbei, kamen wir zu seinen Bienenvölkern. 3 Völker behausen zur Zeit seine Bienenstöcke. Gerade am Morgen erzählte Gerhard uns, hat er ein schwärmendes Volk wieder eingefangen. Angrenzende Rapsfelder sorgen für reichlich, wohlschmeckenden Honig. Den er und seine Familie nicht alleine verbrauchen können, so dass er ab und zu auch an andere etwas von seinem leckeren Honig abgeben kann. Honig geerntet wird 3-4 mal Jährlich! (Kaltschleudern)

 

Endlich bekamen wir zum ersten mal ein Taubenschlag zu sehen. Welch ein Anblick! Kelebek, Bakina, Usbeken und Birminghamroller in der unteren Ebene des Garten-Hauses in allen erdenklichen Farben und in jedem Alter. In der oberen Etage dann Wiener Hochflugtauben, auch in allen Farben. Nun dachten wir jetzt bekommen wir mal seine Tauben im Freiflug zu sehen? Nein der Rundgang ging weiter. Schön an das Gartenhaus angrenzend, Weiden (Ausläufe).

 

Weiden für Gänse und Hühner. Auch ein Taubenkobel, besetzt mit Usbeken und ein paar anderen Klatschtümmlern  durften wir bewundern. An Hühner, ob groß oder klein, gab es Italiener in Gelb Columbia, Goldbraun-Porzellanfarbig oder Zitronen-porzellanfarben zu sehen. Shamo und Bresse-Hühner-Hähne waren auch zu bestaunen. Gerade die Weißen Bresse-Hühner haben es Gerhard angetan.

 

Geflügel aus der Bresse, das hat nichts mehr mit einem gewöhnlichen Brathähnchen zu tun. Die Hühner in den französischen Nationalfarben, blaue Füße, weißes Gefieder und roter Kamm.  

 

Bresse-Hühner zeichnen sich durch ein besonders zartes und saftiges Fleisch aus. Und das kommt nicht von ungefähr. Bevor sie von kundiger Hand zubereitet zu werden, lassen sie sich entsprechend verwöhnen. Ausreichend Auslauf im Grünen zum hühnergerechten Kratzen in der Erde, hervorragende Mahlzeiten mit Mais, Weizen und Milchprodukten und sorgfältige Pflege durch den Züchter sind diesem Federvieh garantiert. Unter hochgewachsenen Büschen oder Bäumen machten wir eine zweiten Taubenschlag aus..........Auch in ihm Kelebek und Birminghamroller, quasi um die Ecke noch ein kleiner Anbau, besetzt mit Hubbeltauben.

 

Hubbeltauben sind reine Fleischtauben, die nur gezüchtet werden zur Fleischproduktion. Für Kalorienbewusste sehr geeignet. Genau zu diesem Thema, passt das Stichwort Mittagspause. Wir Badener wurden zu einem Original Thüringer Mittagessen eingeladen.  Gerhard`s Frau und Schwiegertöchter bereiteten uns einen Augen und Gaumen Schmaus, der keine Wünsche offen ließ. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle für diese, sehr gute Verpflegung. Danke!  Ätsch ich verrate hier nicht was es gab Es war aber sehr, sehr  leeeeeecker.....................ÄÄÄÄÄÄtsch!  

 

Beim Mittagstisch plauderten wir natürlich weiter. Die weniger schöne Seite bis 1990/91 kam zur Sprache! 

 

Im Eingangsbereich und Wohnbereich des Hauses kann man eine Sammelleidenschaft der Familie Krapf verfolgen. Menschenähnliche Puppen und Meissner Porzellan das Hobby seiner Frau. Gerhard`s Sammelleidenschaft erstreckt sich über sehr alte Bücher so um 1800  angefangen über alles was es in der Welt der Photographie zu erwerben gibt. Bilder die er schon des Öfteren veröffentlicht hat, entwickelt der Self Made Man selbst. Self  Mad Man deshalb, weil man in der ehemaligen alten DDR-Zeit ja nichts zu kaufen bekam. Seine Frau erzählte uns,  es gibt nichts was Gerhard nicht reparieren kann. Seine Begabungen erstrecken sich über Heizungsmonteur sein eigentlicher Beruf, Fliesenleger,  Maurer und Schreiner. Und das wird bestimmt nicht alles sein?

 

 

Nach der Mittagspause endlich Tauben am Himmel. Zuerst junge Kelebek. So 100-150 Meter stürmten die jungen wilden hoch um immer wieder zu stürzen und uns ihr Flug-Schmetterlingsspiel zu zeigen. Sehr gute Anlagen konnten wir Gerhard`s Tauben bestätigen. Mit ihnen  wird er noch recht viel Freude  haben. Danach kamen die BR und Bakina  dran! Ein sehr großer Schwarm ging in Höhe, es könnten so an die 30 Tauben gewesen sein. In wenigen Minuten stiegen sie sehr hoch auf. Fast Punkthöhe!

 

 Auch das waren noch recht junge Tauben, die aber  schon Ansätze von Schwanzreiten zeigten. Je später sie das Rollen zeigen, um so Länger hat man Spaß an  den Tauben! Denn diejenigen die zu früh rollen, ergeben oftmals Durch roller, so die einhellige Meinung aller anwesenden!  Gegenüber diesem Taubenhaus, noch ein Schopf  in dem speziell zusammengesetztes Kelebek-Zuchtpaare waren. Speziell deswegen um vorhandene, sehr gute Flugeigenschaften noch mehr zu festigen. Auch ein paar Brieftauben dürfen ihr Unwesen treiben. Da wir noch einen anderen Taubenzüchter besuchen wollten, mussten wir leider den Flugtag und Besuch bei Gerhard Krapf abbrechen.

 

 

Menschen die Flora und Fauna so lieben, gehen mit anderen,  offeneren  Augen durch die Welt, nicht jeder würde die kleinen Geheimnisse bei Gerhard und Sebastian Krapf entdecken! Schleiereulen und Fledermäuse bekommen im Hause Krapf auch Unterschlupf! So vieles, kleinste Detail`s, ich glaube selbst ich habe nicht alle Unterschlüpfe, Nischen, Kästchen, Dachritzen, Bodenlöcher, Reisighaufen entdeckt, die bereit gehalten werden im Hause bzw. Garten der Familie Krapf. Könnte ich/wir einen Umweltpreis vergeben, würde sie den wertvollsten höchstdotierten Preis im vereinigten Deutschland erhalten.

 

Bericht und alle Bilder 

 

Fredi Liebgott

Pfingsten 2010

 

Hallo,

du hast eine Nachricht über deine Jimdo-Seite https://www.frediliebgott.de/taubenreise-zu-gerhard-krapf-nach-thüringen-2010/ erhalten:

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Name: Gerhard Krapf

E-Mail: geer@arcor.de

Nachricht: Hallo Fredi,
es ist sehr nett von dir, dass du diesen schönen Bericht noch mal veröffentlichst.
Euer Besuch war für mich der Anlass für einen Wendepunkt in meiner Taubenzucht.
Damals haben sich die Weichen gestellt zugunsten meine Wiener Zucht.
Zu fast allen Züchtern, die mich damals besuchten, pflege ich heute noch Kontakte.
Es sind mittlerweile sehr gute Freundschaften entstanden, welche ich nicht missen will.
Viele Grüße
Gerhard Krapf und Familie