Uli Bovermann, geboren 1953, wohnhaft in Düsseldorf. Von Beruf Sozialpädagoge und Tischlermeister. Verheiratet 2 Kinder.

 

Tauben züchte ich seit meinem 14 Lebensjahr. Bin in Mülheim a. d. Ruhr, einer "Hochburg" (Kohlenpott halt) der Brieftaubenzucht geboren. Habe bis zum Studium 1985 Brieftauben gezüchtet und geschickt. Habe dann in Düsseldorf wieder mit Brieftauben angefangen (1980) 1 mal Jungtaubenmeister in der RV mehrere erste Konkurse. Aufgehört 1984, als ich meine Frau kennenlernte.

 

Habe 1987 wieder mit Tauben angefangen und unterschiedliche Rassen gezüchtet. Zuerst Usbekische Tümmler, habe ich aufgehört, weil "gute" Klatschtümmler große Schwierigkeiten haben zu landen. Fand ich schrecklich.

 

Dann mehrere Jahre Nikolajewer Hochflieger. War damit mehrmals Vereinsmeister. Leider sind diese herrlichen Tauben in unseren Gegenden sehr schwer zu fliegen, da sie immer einen beständigen Wind zu ihrem Stilflug benötigen. Habe dann mit Kelebek angefangen, einer türkischen Kunstflugtaubenrasse. Mit ihnen bin ich mehrmals Meister im Deutschen Flugrollerclub und in der Europäischen Flugroller Union vom Heimatschlag aus geworden. Weiterhin habe ich noch Wutas und Wammentauben geflogen (griechische und türkische Sturzflugtauben). Ich bin Wertungsrichter im DFC für Kelebek, Dunek und Sturzflugtauben. Im Jahr 2001 war ich Mitorganisator der Internationalen Flugkastenmeisterschaften des DFC in Waltrop, bei Castrop-Rauxel.

Bild und Taube von Fredi Liebgott, Abstammung Jens Nielsen
Bild und Taube von Fredi Liebgott, Abstammung Jens Nielsen

 

Meine Erfahrungen mit Türkischen Kelebek
Von Uli Bovermann, Düsseldorf


Abstammung und Heimat
Kelebek bedeutet wörtlich übersetzt "Schmetterling", was auf ihren Flugstil zurückzuführen ist. Sie sind eine weit verbreitete Flugtaubenrasse aus der Türkei die in allen Teilen des Landes anzutreffen sind. Ihr Hauptverbreitungsgebiet ist rund um die Bergbaustadt Balikesir im Nord-Westen des Landes, aber auch in anderen Städten wie Istanbul, Mustafakemalpasa oder Bursa sind sie anzutreffen. In einigen Gegenden werden die Kelebek auch "Zeiya" genannt, was auf die Haltung in ebenerdigen Schuppen hinweist.
Schon vor über 150 Jahren wurden diese Tauben geflogen. Armbruster beschreibt Kelebek als die unkultivierte Rasse von denen Dönek und Mazedonische Dönek abstammen. Ob dieses so ist, ist nicht zu überprüfen . Was aber ihr Flugspiel angeht, ist eine Verwandtschaft mit Dönek und Sturzflugtauben augenscheinlich.

 

bei Werner Blaak
bei Werner Blaak

Aussehen
Es sind mittelgroße Tauben in allen erdenklichen Farben. Die Beine und Füße sind bestrumpft, wobei die Zehenspitzen meist unbefiedert sind. Der leicht dachförmige Schwanz besteht aus 14 bis 18 Schwanzfedern. Die Bürzeldrüse fehlt. Vereinzelt kommen auch Tiere mit Haube vor. Die Augen sind meist perlfarbig, bei Schecken oder weißen Köpfen kommt es zu gebrochener Iris oder Kohlaugen.
Kelebek besitzen ein seidiges, straffes, enganliegendes Gefieder. Wie schon kurz erwähnt kommen alle erdenklichen Farbschläge vor. Man findet sie einfarbig und in allen möglichen Scheckungen. Bei uns bekannt sind die weißen Kelebek mit schwarzem Schwanz und Bärtchenzeichnung. Häufig findet sich auf dem Kopf oder im Nacken noch ein schwarzer Fleck, "Sapka" genannt. Auch in anderen Farbspielarten kommen Kelebek vor. "Ses", sind schwarze Kelebek mit einem Rieselkopf, gelbe oder rote Tiere mit weißem Kopf und Schwingen und weißer Bestrümpfung.


In der Türkei wird auf Farben und bestimmte Scheckungen viel wert gelegt. Für schön gezeichnete Tiere wird sehr viel Geld bezahlt, so scheint sich in der Türkei eine ähnliche Entwicklung wie bei uns vor einigen Jahren zu wiederholen, dass nämlich schön gezeichnete Tiere zu wertvoll sind um sie fliegen zu lassen. Die ehemalige rasanten Flieger werden zu Schönheitstauben. Schade!

 

bei Dinarla Oezer in Nordhorn
bei Dinarla Oezer in Nordhorn

Verhalten und Unterbringung
Kelebek sind sehr ruhige und zahme Tauben. Sie sind verträglich auf und vor dem Schlag. Mit ein paar Körnern aus der Hand gefüttert, werden sie schnell handzahm. Sie füttern ihre Jungen zuverlässig. Bei zu starker Fütterung treiben die Täuber früh auf`s neue Nest, darum kann auch während der Aufzucht der Jungen das Futter 20% Gerste enthalten.


Kelebek werden am besten in ebenerdigen Schlägen gehalten. Ein Ausflug ist nicht notwendig, da die Tiere durch die offene Türe mit einem Stock zurück in den Schlag getrieben werden. Die Tauben halten sich gerne auf dem Boden auf und suchen vor dem Schlag nach fressbarem, liegen in der Sonne oder einfach auf der Wiese. Für die abgesetzten Jungtiere sollte ein extra Abteil zur Verfügung stehen. Hier können sich die Jungen ungestört entwickeln und sind leichter einzufliegen.
Kelebek sind eine anspruchslose und pflegeleichte Rasse, die auch Anfängern empfohlen werden kann.

 

bei Werner Blaak
bei Werner Blaak

Der Flug
Wenn Kelebek aus dem Schlag gelassen werden und davor herumspazieren, traut man ihnen kaum Fluglust zu. Auf ein Kommando abgejagt schraubt sich der ganze Stich oder Pulk nach oben. Sie fliegen nicht im Verbund sondern beim Aufstieg mehr oder weniger einzeln, in einer lockeren Verbindung, jedoch jede Taube für sich. Der Stich bleibt meist über dem Schlag und ist in kurzer Zeit in mittlerer Höhe oder auch in Oberluft. Bei guter Thermik verschwindet die ganze Horde auch schnell mal unsichtbar. In einer bestimmten Höhe angekommen, beginnen einzelne Tauben mit ihrem Flugspiel.

 

Zuerst fliegen alle Kelebek einzeln durcheinander, was an einen tanzenden Mückenschwarm erinnert. Aus dem Stich lösen sich einzelne Tiere die unter den verschiedensten axialen Drehungen, entweder geradeaus über den Himmel oder in den unterschiedlichsten Varianten drehend der Erde zusteuern. Jede Taube fliegt ihre eigenen Figuren. Einige drehen axial nur rechts, andere nur links herum, einige wechseln während der Drehungen von rechts auf links und das auch mehrmals hintereinander. Bei einigen Tieren werden die Drehungen sehr schnell bei anderen recht langsam ausgeführt. Wieder andere stürzen ähnlich den Sturzflugtauben mit nur wenigen Drehungen.

 

Allen Kelebek gemeinsam ist ein sehr schneller, rasanter Flug in denen die Flugrichtung häufig durch kleine Schlänker oder Haken unterbrochen und gewechselt wird. Nach kurzer Zeit sind die meisten Tiere in unteren Höhen angekommen und das Schauspiel beginnt von neuem. Der Taubenpulk steigt wieder auf und ein zweites evtl. anschließend noch ein drittes mal spielen die Kelebek durch die Lüfte.

bei Hermann Wolf in Nordhorn
bei Hermann Wolf in Nordhorn

Das Starten der Tauben

Wenn die Fluglust nachlässt, das heißt die Tiere wollen nicht mehr steigen und zeigen das sie landen wollen, ist der richtige Zeitpunkt die im Schlag verbliebenen Tiere auf den Landeplatz vor den Schlag zu lassen. Das ist das Signal für die Landung und innerhalb kurzer Zeit läuft das ganze Völkchen vor dem Schlag. Der ganze Flug hat 15 -30 Minuten gedauert. Einzelne Tauben die länger fliegen zeigen während des Fluges weniger Flugfiguren. Für die Zucht sind solche Kelebek, mit stark drehenden Tieren verpaart, sehr wichtig. Wenn sich die Tiere ein wenig vom Flug erholt haben kann ein weiterer Flug mit den gleichen Tieren stattfinden. Meistens erreichen sie nicht mehr die Höhe wie beim ersten Flug, die Drehungen werden jedoch intensiver

 

bei Hermann Wolf in Nordhorn
bei Hermann Wolf in Nordhorn

Training
Kelebek fliegen, außer bei extrem schlechter Witterung, fast bei jedem Wetter.

Regelmäßig geflogene Kelebek sind in ihrer Fluglust und -freude kaum zu übertreffen.


Die Jungen werden separat von den Alttieren auf einem Schlag gehalten und auch trainiert. Recht früh, laufen sie auf der Wiese vor dem Schlag, sind äußerst neugierig und machen schon nach kurzer Zeit die ersten Flugversuche. Das ist der richtige Zeitpunkt mit dem Training zu beginnen. Die Jungtauben werden einzeln in die Luft geworfen und landen direkt wieder bei der ganzen Horde. Schon nach einigen Tagen fliegen sie die ersten Runden. Einzelne Tiere landen auf umliegenden Dächern. Sobald die ersten Tauben landen wollen werden die Dropper oder andere Tauben vor den Schlag gelassen um das Signal zum landen zu geben.

bei Dinarla Oezer in Nordhorn
bei Dinarla Oezer in Nordhorn

Das Einsetzen der Dropper

Das dauert ein paar Tage und das landen ohne Aufforderung hört auf. Nach einigen Tagen fliegt der ganze Pulk miteinander. Selbst einzelne Versuche von Drehungen sind schon zu beobachten. Kelebek die immer direkt landen wollen und nicht an Höhe gewinnen müssen aus dem Stich genommen werden, da sich sonst alle Jungtiere an diesen Tauben orientieren und sie nicht auf Höhe gehen. Mit ihrem Flugspiel den Drehungen und Wendungen, dem plötzlichen Tempowechsel beginnen die meisten Kelebek recht früh. Das wichtigste Kriterium für die ersten Wochen und Monate ist jedoch der Flugwille, die Lust am fliegen. Das Flugspiel entwickelt sich dann von ganz alleine.


Fliegt der Stich einmal recht sicher können die Jungtiere auch mit den alten Kelebek geflogen werden. Es scheint so als würden die Jungtiere vom Flugspiel der eingeflogenen Tauben animiert. Ihre volle Leistung bringen aber auch Kelebek, ähnlich der anderen Dreh- und Spielflugtauben erst nach der ersten Mauser der Handschwingen.

 

bei Hermann Wolf in Nordhorn
bei Hermann Wolf in Nordhorn

Kelebek und Greifvögel
In der Fachliteratur werden Kelebek als relativ Greifvogelsicher beschrieben. Ihr Flugstil scheint den Habichten, Sperbern und Wanderfalken nicht sonderlich zu liegen. Dieser Aussage kann ich nur bedingt zustimmen. Was sicherlich stimmt ist das Kelebek aufgrund ihres rasanten Fluges eine echte Chance haben den Greifen zu entkommen. Hat sich jedoch wie bei mir ein Wanderfalke einmal auf die Kelebek eingeflogen kann er den Tauben und dem Züchter das Leben schon arg schwer machen. Ich bin dann zu folgender Methode übergegangen um den Tieren eine echte Chance zu geben.


⦁ Als erstes fliegen die Tauben möglichst zu unterschiedlichen Tageszeiten;
⦁ Zuerst fliege ich immer 5 eingeflogene, alte Tauben. Nicht mehr, da bei nur 5 fliegenden Tauben der Greif eher gesehen wird und die Tauben nicht so leicht zu überraschen sind. Von diesem 5er Stich ist mir bei vielen Angriffen noch nicht ein Kelebek abhanden gekommen.


⦁ Ist es zu einem Angriff gekommen bleibt der Himmel für die nächste Stunde gesperrt. Die Tauben bleiben drinnen.
⦁ Gab es keinen Angriff trainiere ich nach den 5 alten, die Jungtauben. Von diesen bekommt er aus einem großen Stich sonst meist ein Tier. Darum zuerst die Alttiere um zu schauen "ob die Luft rein ist".
⦁ Falls der Greif doch einmal Erfolg hatte, was die letzten 2 Jahre durch diese Methode nur noch selten passiert ist, kann man am selben Tag ruhig weiter fliegen, er ist ja satt. Am nächsten Tag bleiben die Jungtauben drinnen.


⦁ Um so häufiger der Falke Angriffe fliegt, ohne Erfolg zu haben, um so seltener lässt er sich blicken. Er ist dann so schlau und gibt nach (der klügere gibt nach, oder sorgt vor).
Meine Kelebek so geflogen habe ich die letzten Jahre wenig Verluste gehabt. Ich habe aber sehr viele Angriffe erlebt in denen die Tauben schneller waren. Ein schönes Gefühl!
Alles in allem sind Kelebek eine wunderschöne, zutrauliche, gelehrige, wunderbar fliegende Taubenrasse, die alles was ein Flugtaubenliebhaber mag, in sich vereint.
Für mich die ideale Taubenrasse.


In der EFU (Europäische Flugroller Union) werden Kelebek wie folgt bewertet:
Zuchtziel: Erwünscht ist ein variantenreicher, rasanter Absturz in vielfältigen Spiralen. Der Geradeausflug erfolgt unter axialen Drehungen, Tempowechsel und häufiger Kursänderung. Der Kelebek ist ein Soloflieger, kein Stichflieger. Purzeln, rollen oder Mühledrehen ist verpönt.
1. Gewertet wird die Vielfalt der Solisten.
2. Der Kelebek-Pulk besteht aus 4,6 oder 8 Tauben


Mit freundlicher Genehmigung von

Uli Bovermann, Düsseldorf

bei Dinarla Oezer in Nordhorn
bei Dinarla Oezer in Nordhorn