Zuchtmethoden

 

 

 

Zur Verbesserung der positiven Zuchteigenschaften kann man mehrere Zuchtverfahren anwenden. Steht dem Züchter das notwendige Glück zur Seite, so lassen sich mit allen Zuchtmethoden Einzelerfolge erzielen. Soll sich aber der Zuchterfolg wiederholen und auf weitere Nachkommen übertragen, muss systematisch vorgegangen werden.

 

 

 

Zufällige Paarung

 

Sie wird durchgeführt, wenn man in den Wintermonaten die Geschlechter trennt und im Frühjahr Täuber und Täubinnen wieder zusammenlässt, so dass sie sich zufällig paaren.

 

Die genetischen Anlagen der so gezüchteten Tiere bleiben auf diese Weise erhalten, und durch Zufall können sich auch Spitzentiere ergeben, werden solche sehr guten Einzeltiere jedoch mit weniger guten Tieren gepaart, so ergibt sich aus der Nachzucht nur selten Spitzenqualität, da der Prozentsatz mittelmäßiger Nachkommen zwangsläufig immer höher sein muss.

 

 

 

Zucht auf vermehrte Erbreinheit

 

Viele Züchter stellen Überlegungen an, wie sie die guten Eigenschaften mehrere Tiere über die Zucht festigen können, so dass sie über Generationen hinweg bei der Nachzucht immer wieder in Erscheinung treten. Man versucht dies durch Inzucht und Linienzucht zu erreichen.

 

 

 

Inzucht

 

Inzucht ist die Paarung von Tieren, die näher miteinander verwandt sind. Dies kann die Verpaarung unter Geschwistern oder eines Elternteiles mit einem Nachkommen sein. Auch die Verpaarung von Vettern mit Cousinen oder Onkeln und Tanten mit Neffen und Nichten gelten als Inzucht. Hierbei erhöht sich die Zahl der erbreinen (homozygoten) Vererbungsanlagen. Diese Zuchtmethode kann auch negative Eigenschaften mitvererben! Die Inzucht kann konsequent über mehrere Generationen fortgesetzt werden. Die engste Form der

 

Inzucht ist die nahe Verwandtschaftszucht zwischen Geschwistern oder mit Eltern und ihren direkten Nachkommen. Wenn keine weiteren negativen Eigenschaften auftreten, wird nach 10 Generationen erreicht, dass von der Anzahl der heterozygoten Eigenschaften nur noch 12% vorhanden sind. Da sich aber auch genauso gut negative Eigenschaften festigen können, ist diese Methode nur mit viel Umsicht anzuwenden. Die genetischen Unterschiede zwischen dieser Inzuchtlinie und den übrigen Tieren der Rasse können sich vergrößern.

 

 

 

Linienzucht

 

Bei der Linienzucht hat man die Festigung der Vererbung  bestimmter positiver Eigenschaften im Auge. Die Linienzucht ist nicht so eng wie die nahe Verwandtschaftszucht. So paart man z.B. Enkel mit Großelternteilen oder Großneffen mit der Großtante und umgekehrt, um die gleichen Ziele wie bei der Inzucht in weniger krasser Form zu erreichen.

 

Alle bei der Linienzucht verpaarten Tiere sind jedoch stets miteinander verwandt.

 

 

 

Paarung nach äußerlicher Ähnlichkeit

 

Diese Form der Zucht wird am häufigsten angewandt. Man spricht bei der Auswahl der Tiere von Passer-Paarungen, wenn der Züchter vermutet, dass zwei Elterntiere mit guten Eigenschaften zumindest einen Teil Nachzucht mit gleichguten oder besseren Eigenschaften haben könnten.

 

Während man bei der Inzucht Tauben mit identischen Genen zusammenpaart, führt man bei der Paarung nach äußerer Ähnlichkeit Gene zusammen, von denen man hofft, dass sie den

 

Gleichen Effekt haben werden. Durch dieses Zuchtsystem ergibt sich ein wesentlich geringerer Grad von Homozygotie als bei der Inzucht. Bei einem hohen Erblichkeitsgrad der gewünschten Eigenschaften kann die Paarung äußerlich gleichwertiger Tiere sehr gute Zuchterfolge ergeben. Die Zucht nach äußeren Merkmalen bringt den größten Erfolg, wenn die gewünschten Eigenschaften intermediär vererbt werden. 

 

Intermediär:  lat. fachsp. für dazwischen befindlich; ein Zwischenglied bildend

 

 

 

Fremdzucht

 

Sie ist das Gegenteil der Inzucht. Hier hofft man, dass fremdes Zuchtmaterial Eigenschaften mitbringt, die bei dem eigenen Tiermaterial nicht im gleichen Maß vorhanden sind, so dass nur über die Fremdzucht eine entsprechende Verbesserung dieser Eigenschaften erreicht werden kann. Diese Methode ist aber mit sehr viel Vorsicht anzuwenden, da zur Blutauffrischung herangezogene Tiere auch genauso negative Eigenschaften mitbringen und den bisherigen Zuchterfolg des eigenen Stammes negativ beeinflussen können. Bei der Auswahl fremder Tiere zur Blutauffrischung sollte daher immer sehr sorgfältig alle Möglichkeiten gegeneinander abwägen. Da die Tauben in einer Einehe züchten, ist der Fehler allerdings nicht so gravierend wie in der Hühnerzucht, wo ein zugekaufter Zuchthahn sämtliche Hennen des Bestandes befruchtet und unter Umständen eine jahrelange züchterische Arbeit zunichtemachen kann, oder ein Rammler bei den Kaninchen, den man alle Häsinnen belegen lässt.

 

 

 

Luxurieren der Bastarde

 

Kreuzt man zwei genetisch weit auseinander stehende Tiere miteinander, so sind ihre Nachkommen meistens besonders leistungsfähig. So gibt es Beispiele dafür, dass Tiere, die aus zwei verschiedenen Inzuchtlinien stammen, besonders gute Gebrauchstiere werden.

 

Sie zeigen eine erhöhte Kreuzungsvitalität, können aber sehr bei ihrer eigenen Nachzucht streuen.